1 Monat in Addis Abeba

Ich bin jetzt seit 1 Monat hier. Ich habe mich wirklich gut eingelebt. Ich finde mich zurecht, weiß ohne zu fragen welchen Bus ich nehmen muss und verstehe so langsam die Kultur hier besser.

Ich komme nicht mehr ins Schwitzen ob der viel zu vollen Busse. Wenn einer der Bushelfer mich noch einsteigen lässt, dann quetsche ich mich tief entspannt in die kleinste Ecke oder ertrage stoisch andere Menschen, die auf mir sitzen. Den Rekord, den ich in einem Minibus (ein Toyota Transporter) gezählt habe waren 21 Leute. Und der Helfer hat immer noch versucht weitere Leute einzusammeln. Wirklich unfassbar. Aber darüber kann ich mittlerweile nur milde schmunzeln.

Ich habe kleine Hide-Outs gefunden, für Zeiten in denen mir der Trubel zu stressig ist. Peinlich aber war, diese Hide-Outs sind Luxus Hotels. Im Hilton oder im Ghion Hotel gibt es einen Swimmingpool (noch nicht getestet) und wunderbare Grünanlagen. Viele Bäume, Blumen, Gras, Stille und saubere Luft. Ein Paradies.

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Über die Straßen komme ich schon fast wie ein Pro. Nur zur Info Ampeln gibt es hier so gut wie nicht und Zebrastreifen werden nicht ernst genommen. Anfangs bin ich immer nur mit anderen Leuten über die Straße gehastet, die hatten besser im Blick, ob das nahende Auto abbremsen würde oder nicht, oder ob die Lücke ausreichen würde. Mittlerweile habe ich einen ganz guten Blick und muss nur noch selten vor einen Auto wegspringen.

Was die Leute angeht, trennt sich die Spreu langsam vom Weizen. Nachdem ich vor einiger Zeit dachte, Mekonnen hätte sich aus meinem Leben verabschiedet, musste ich feststellen, dass ich das nur falsch verstanden hab. Nach kurzer Funkstille erhielt ich wieder mind. 5 missed calls während der Arbeitszeit (n.e.r.v.ig). Nachdem er mich letzte Woche damit aufzog, dass ich nach 1 Monat hier in Addis noch zu wenig Amharisch sprechen könnte, sagte ich ihm, dass ich jetzt darauf keine Lust hab. Auch auf mehrmaliges energisches Ermahnen, dass er jetzt damit aufhören soll “Shut the Fuck up!”, verstand der gute Mann nicht, und ich stand auf und ging. Ist irgendwie kindisch ich weiß, aber ich habe keine Lust meineZeit mit Genervtsein zu verplempern, daher fuck it him.

Thomas hat mir gestern auch die Freundschaft gekündigt, nachdem ich ihm sagte, er soll mich niemals wieder um Geld für Bier anschnorren. Er sagte, ich würde Menschen nicht respektieren, mir ginge es nur ums Geld und ich wäre negativ. Again fuck it. Wieder einer weniger.

Ich habe mich mit meinem Lehrer Mesfin darüber unterhalten und er sagte, dass in Äthiopien der Zusammenhalt der Gruppe total wichtig ist. Also wenn Einer Geld hat, der Andere nicht, dann lässt er den Anderen ganz selbstverständlich bei sich wohnen und teilt Bett und Stube und natürlich auch den Geldbeutel. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das ist die Kultur. Wenn Du etwas hast, dann teilst Du es. Ob die Person faul ist, spielt keine Rolle. Man teilt. ALLES! Daran muss ich mich wirklich gewöhnen. Mich nervt schon, dass ich für Mesfin ganz selbstverständlich immer das Busticket mitbezahlen muss. Das ist einfach nicht mein Style und geht mir mächtig gegen den Strich.

Woran ich mich auch immer noch nicht gewöhnen kann und was mich regelmäßig frustriert ist der unfassbar schlechte Service hier. Für die Karte, das Bestellen, das Warten auf das Essen, die Rechnung, das Restgeld kann man echt locker 30 min jeweils (!) einplanen. Egal ob man der einzige Gast ist, oder die Bude voll ist. Das werde ich nicht verstehen. Ich habe ja die Theorie, dass jeder hier einfach viel zu nett ist und auch bei fiesem Service Tip da lässt und freundlich spricht, dass niemand einen Anreiz hat oder einen Grund, sich zu verbessern.

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