Bekanntschaften in Addis

Bekanntschaften in Addis

Über zu wenige Bekanntschaften muss ich mich in Addis nicht beschweren. Gleich zu Beginn hatte ich das Glück in meinem Hotel (ich wohne im Taitu Hotel in Piazza) zwei coole Franzosen kennenzulernen. Maxim ist ein 24 jähriger Franzose, der nur 14 Tage in Äthiopien bleibt und herumreisen möchte. Und Kristin, eine ältere Dame, die seit den 90er Jahren regelmäßig nach Äthiopien reist, etwas Amharisch beherrscht und als Tourguide arbeitet. Egal was man sie fragt, sie kennt sich aus. Ich bin sehr dankbar über ihren nüchternen Blick.

Auf der Straße werde ich oft für eine Habesha (eine äthiopische Frau) gehalten und auf amharisch angesprochen. Meine Antwortet lautet dann „amarigna alchillim – ich spreche nicht amharisch.“ Da das zugegebener Weise sehr merkwürdig ist, ergibt sich daraus immer ein Gespräch. Auf diese Weise habe ich Seraus kennengelernt.

 

Seraus ist in Äthiopien geboren, aber in der Ukraine aufgewachsen. Er spricht fließend russisch, ukrainisch, amharisch und super englisch. Es war wirklich ein Gottesgeschenk auf ihn getroffen zu sein. Er hat Maxim und mich mit in eine Bar/Club genommen und uns die äthiopischen Songs (es geht immer um Liebe) erklärt. Am Anfang hab ich einen Scam gewittert und wollte nicht mit, aber Maxim sei Dank sind wir doch mit. Seraus hat uns auf Bier und Shots eingeladen und uns seine Freunde vorgestellt. Er ist Rennfahrer und wird in ein paar Wochen bei einem Rennen teilnehmen *G*. Außerdem habe ich durch ihn das Wutma Hotel gefunden J Hier gibt es kostenlos WLan. Das ist zwar nicht besonders schnell, aber zum schreiben in einem Messenger und upload meiner Texte (i hope so) reicht es allemal.

 

Dann haben wir noch Bruk kennengelernt (siehe auch Äthiopische Scams). Er spricht wirklich gut Englisch und Französisch und hat uns einen ganzen Tag zum Mount Entoto begleitet. Er sagte er würde Construction studieren, hat aber interessanterweise nix von seinem Studium erzählt. Als ich nach seiner Telefonnummer oder seinem FB Namen fragte, war er nur sehr vage. Er habe kein Telefon (yeah right) und nuschelte seinen FB Namen. Bruk ist entsetzlich skinny und trug Jeans und ein Poloshirt Beim genaueren Überlegen sah er absolut nicht wie ein Student aus, da Studenten sich sehr elegant anziehen zum studieren (also mindestens im Hemd). Er hat in den Minibussen nie gezahlt. Maxim erzählte mir später er hätte ihm erzählt, dass er so arm wäre, dass er im Bus nicht zahlen müsste. Ich glaube mittlerweile, dass er noch nie eine Uni von innen gesehen hat und dass er sein Geld mit dem Abziehen von Touristen, deren Hirn vor lauter Mitleid (selbst schuld I know) ganz matschig ist, verdient.

 

Einen Tag später bin ich vor dem Hotel Mekonnen über den Weg gelaufen. Da ich sofort wieder an eine Story dachte, war ich wirklich sehr abweisend und habe mich verabschiedet und bin in ein Taxi geflüchtet. Als ich von meinem Meeting wieder in der Piazza Gegend herumlief (wobei herumirren es besser trifft) bin ich ihm doch tatsächlich wieder begegnet. Er saß in einem Cafe mit Mesfin und lud mich auf einen Kaffee ein (immerhin dachte ich). Mekonnen hat Theaterwissenschaften erzählt, ist recht gut gekleidet und evtl. könnte seine Story echt sein. Ich bin mir noch nicht so sicher. Ich habe auch am 2. Tag nach dem Kennnenlernen keine Ahnung warum er sich so an mich dranhängt. Ich habe ihm mind. 10 Mal gesagt, dass ich ihm weder Geld noch Sonstiges geben werde und dass ich einen Freund hätte. Außerdem habe ich noch gelogen und mich für einen Self Defense Spezialisten ausgegeben. Er sagt nur „I respect that“ und „I won’t disturb you“ und „you are my sister“ blablabla. Das gute ist, dass wir uns nur in der Nähe von meinem Hotel aufhalten, da fühle ich mich recht safe. Er möchte eine Filmproduktion gründen. Ich war sofort Feuer und Flamme und wollte heute Nachmittag einen Business Plan mit ihm schreiben G Er sagte, er würde nur eine Produktions-Lizens benötigen, dann könnte er Funding von der Regierung für sein Projekt beantragen und weitere Sponsoren ansprechen. Ich fragte an welche Sponsoren er so gedacht hätte und wieviel Geld die Lizenz kosten würde. Aber irgendwie hat er die Fragen nicht gecheckt oder ich habe mich falsch ausgedrückt. So kann das mit dem Business Plan natürlich nix werden, daher habe ich die Idee auf Eis gelegt. Aber Hauptsache er hat die Vision glasklar vor Augen (seine Worte).

 

Der Kumpel von Mekonnen heißt Mesfin und arbeitet als Englischlehrer. Ich schlug mal wieder vor, dass er mir Amharisch beibringen könnte. Interessanterweise hat er mir gleich die Schule gezeigt, in der er arbeitet und auch seine Kollegen vorgestellt und mich zu einer Stunde als Gast eingeladen. Real students, real college. OK kein Scam. Nicht schlecht. Seit heute nehme ich für 50 Birr pro Stunde bei Mesfin Amharisch Stunden. Er ist pünktlich und hat sich wirklich Mühe gegeben (er lobt mich jedesmal überschwänglich, wenn mir mal was einfällt oder eine Aussprache gelingt J ). Natürlich hat auch Mesfin einen Plan. Er möchte ein Engl.-Amharisch Grammatik Buch herausbringen. Das ist echt cool, da ich außer auf Wikipedia vergeblich nach so etwas gesucht habe. Keine Ahnung wie groß die Zielgruppe ist, aber es macht auf jeden Fall Sinn.

 

Der letzte Typ in der Runde, den ich in den letzten 5 Tagen kennengelernt habe heißt Ketema. Er arbeitet beim Flughafen und lernt beim Goethe Institut Deutsch. Auch hier habe ich natürlich sofort wieder an den üblichen abgehalfterten Typen gedacht, der mich mit seinen 5 Sätzen in Deutsch („Hallo Wie geht’s“ „Hallo ich liebe dich“…) beeindrucken möchte. Aber er spricht wirklich ok Deutsch. Er hat mich zur Ethiopian Telekom begleitet, da ich eine Simkarte kaufen muss und mir wirklich geholfen. Er zahlte den Minibus und auch den anschließenden Kaffee. Dort haben wir dann bestimmt 3 Stunden lang zusammen Deutsch gelernt. Voll witzig. Ich habe ihm bei den Hausaufgaben geholfen. „Übung D2: Stell Dir vor ein Freund aus Deutschland ist zum ersten Mal in deiner Heimat, welche Tips bzgl. Pünktlichkeit, Essen, Nachbarn, Wetter und Öffis würdest Du der Person geben und vice versa“). Auch Ketema war recht gut gekleidet trinkt nicht und erzählte, dass er noch nie geraucht hat oder Chat gekaut hat. Leider ist auch Ketema recht anhänglich und ruft mich mehrmals täglich an. Sein Plan ist es Touristenführer zu werden. Daher studiert er so fleißig Deutsch. Wie es der Zufall so will, wollte er auch mit Kristin (die Französin sh. Oben) zusammenarbeiten. Allerdings war er unzuverlässig (irgendwas mit seinem Bruder, der aus Dubai zu Besuch war…) und hielt einen Termin nicht ein, daher möchte Kristin jetzt nix mehr mit ihm zu tun haben. Ich finde das alles recht merkwürdig, denn er scheint wirklich ein Problem damit zu haben, zu einer beliebigen Reiseagentur zu gehen und seine Dienste anzubieten. Naja ich bin mal gespannt.

 

Ich muss immer an meine Friseurin denken, die mir vor meiner Reise die weisen Worte mitgegeben hat: „man trifft immer die Leute, die für einen wichtig sind, in dem Moment.“ Ob das alles nach meiner Reise Sinn macht?

 

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