Berufung

Ich klicke mich im FB durch die Profile. Ich bleibe bei Emilia hängen. Sie ist die coolste Person ever. Wir haben damals zusammen ein Praktikum in einer angesagten PR Agentur gemacht. Während ich nicht genau wusste, was ich machen soll, wo es mit mir hingehen soll, wusste sie damals schon genau, dass sie ein Label gründen möchte. Ihr Studium, ihre Nebenjobs und das Praktikum alle zeigten in die gleiche Richtung. Und jetzt hat sie es tatsächlich geschafft. Ich weiss nicht, ob sie schon große Gewinne erzielen, aber sie hat ihr Ziel, ihre Berufung in die Tat umgesetzt und arbeitet an ihrem Traum. Das ist wirklich beeindruckend.

Ich stromer immer noch herum und hab noch keine Vorstellung von meiner “Berufung”. Ich frage mich woran das liegt. Viellicht ist das Erziehungssache und mir wurde es einfach nie beigebracht, das zu machen was ich liebe und stattdessen pragmatisch ans Geld zu denken. Meine Eltern hatten nie den Mut, Risiken einzugehen und ihren Träumen zu folgen. Sie haben das getan, was getan werden musste und eigene Wünsche hintenan gestellt. Und das Resultat? Misery und Burnout und what not. Wie macht man sich davon nur frei?

Tom hat mir erzählt, dass ein Kumpel schon immer wusste, dass er Bauingeneur werden wollte. Er hat das dann gezielt umgesetzt und scheint jetzt wirklich sehr gut auf diesem Gebiet zu sein. Kein Wunder dass mich die meisten Jobs nach spätestens 2 Jahren wahnsinnig langweilen, weil ich nicht 100% mit dem Herzen dabei bin. Aber wie kommt man an den Punkt an, dass man genau weiß wozu man berufen ist, was man machen möchte und sollte. Bzw. wenn ich es jetzt noch nicht weiß, werde ich es dann jemals wissen?

Ich treibe mich zur Zeit viel auf Twitter rum und merke, dass ich Themen wie Physiologie und Trainingslehre und so weiter wahnsinnig spannend finde. Ich habe einen Artikel über den Football Star (und Ehemann von Giselle Bündchen) Tom Brady gelesen. Er ist scheinbar einer der ältesten Quarterbacks und hält sich mit einem Trainer fit, der sich auf alternative Trainingsformen spezialisiert hat. Z.B. Training mit dem Theraband, das darauf abzielt die Muskeln stark und gleichzeitig flexibel zu machen. Das ist cool. Oder ich habe über eine amerikanische Mittelstrecken Läuferin gelesen, die sich verletzt hat und mit modernsten Techniken sich wieder zurück an die Spitze trainiert hat. Z.B. ein Wasserlaufband, um auf die Wochen-Kilometer zu kommen, gleichzeitig aber ihre Beine nur mit einem Teil des Körpergewichts zu belasten. Superspannend was mit Reha alles möglich ist. Aber reicht das aus, um in diese Richtung zu gehen? Kann ein vages Interesse wirklich schon Berufung sein.

Hier in ETH fragen sich glaube ich nicht so viele Leute, ob n Job Spaß macht und erfüllend ist, sondern eher, ob sie Kohle verdienen. Und falls ja, dann wie sie noch mehr Kohle verdienen können. Das ist wirklich cool zu sehen, jeder den man hier fragt, hat einen Plan in der Schublade. Land kaufen und teure Tiere züchten, Autos importieren, Klamotten exportieren, einen Raum mieten und Englischunterricht anbieten, ein paar Autos kaufen und eine Tourfirma starten. Jeder hat den Traum was eigenes zu machen. Nur ich nicht. Wobei ich sagen muss, dass ich eine neue Idee habe und das jetzt sobald ich mal wieder Internet haben sollte, dass wirklich durchrechnen muss, ob das Sinn machen könnte. Ich glaube die Nachfrage, wenigstens in Addis ist tatsächlich da.

Komischerweise habe ich im Arbeitsumfeld noch nicht so viele Leute getroffen, denen ich wirklich glaube, dass sie das was sie arbeiten auch tatsächlich erfüllt. Die meisten machen es fürs Geld, ein paar wollen so viel es geht lernen, einige wollen einfach nur ihr Selbstbewusstsein pushen. Warum trifft man auf Reisen, die interessanten Menschen, die einem vormachen, wie es geht. Weil interessante Menschen reisen? Weil nur die Langweiler sich im Büro den Hintern platt sitzen und fett/alt/häßlich werden?

Ich habe im Taitu Joseph getroffen. Ein alter Typ aus Schweden, der hier Restaurants eröffnen will. Er ist wirklich steinalt und er sagte mir: “Leb Dein Leben, Verschwende nicht Deine Zeit”. Well I try. Aber wenn ich keine Ahnung habe, was ich machen könnte. Ein Ökohotel in Addis, ein Restaurant mit gutem Service, ein Restaurant-Service-Tester, Hoteltester vielleicht könnte ich einen Kurierservice gründen. Ich bräuchte nur ein paar verlässliche Fahrer, ein paar Motorräder und voilà.

Ich habe mir grad überlegt, was ich mit 1 Mio EUR machen würde. Ich glaube ich würde meine Idee hier in die Tat umsetzen. Allerdings würde ich dann 100erte Menschen, die den gleichen Service informel anbieten arbeitslos machen. Hier ist es wieder das Gewissen. Das muss einer Business Person eigentlich wurscht sein. Oder man könnte zusammenarbeiten. Also eine Kooperation ist nicht völlig unmöglich.

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