Episoden in Addis Abeba und Umgebung

Das Internet in der Arbeit funktioniert schon wieder nicht. Somit bin ich komplett nutzlos und kann nix machen. Ich warte eigentlich nur, bis endlich jemand mich erlöst und ich gehen kann. Es ist 10 Uhr ich warte noch bis 11 Uhr, dann ergreife ich die Flucht.

So in der Zwischenzeit mampfe ich Kuchen (meine Chefin hatte Geburtstag) und schreibe ein bisschen für den Blog. Hier ein paar Episoden aus meinem Leben in Addis:

Drei alte Frauen mit ordentlichem Bauch stehen am Zebrastreifen. Die Autos rasen vorbei, niemand kommt auf die Idee zu bremsen. Die dicken Omis sehen nicht so aus, also ob sie agil zwischen den Autos von einer Spur zur nächsten springen können. Zwei Jungs laufen vorbei, der eine dreht sich um und überblickt die Situation. Er kehrt um, hackt sich bei den Ladies ein und hilft ihnen über die Straße.

Ich bin in Debre Zeyt in der Bank und möchte Dollar in Birr wechseln. Ich dachte, das könnte nicht allzulange dauern, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Zuerst muss man hierfür seinen Ausweis vorlegen. Den hab ich natürlich nicht dabei. Mein damaliger Kumpel Mekonnen legt seinen Ausweis vor. Dann muss man einen Zettel ausfüllen, mit Namen, Adresse, Telefonnummer, Ausweisnummer und allerlei anderer Infos. Nach endloser Warterei, nimmt die Bankmitarbeiterin meine Dollarnoten. Einen 20 Dollarschein nimmt sie nicht an, weil etwas Farbe darauf zu sehen ist. Ich hätte gerne eine Diskussion angefangen. Aber obacht nicht den Prozess noch künstlich verlangsamen. Sie nimmt das Geld, wieder eine Ewigkeit später erhalte ich die Birr mit einem Zettel, der wahrscheinlich als Quittung dient.

Ich sitze mit dem Captain, einem Piloten für Etihad, Frederik aus Belgien und Aby aus Addis am Tisch. Der Captain schwärmt von dem Service von Etihad. Ich schwärme dagegen vom Service bei Turkish Airlines. Man kann zwischen 2 Menüs auswählen. Bei Etihad kann man zwischen 3 Menüs auswählen (Chicken, Fish, Vegetarian), sagt der Captain. OK Touché. Also ich wieder: “Bei Turkish Airlines bekommt man zu Beginn ein kleines feuchtes Handtuch um die Hände zu reinigen”. Der Captain winkt ab. Bei Etihad wären die Handtücher tatsächlich frisch und werden nach jeder Nutzung gewaschen. Das wage ich bei Turkish Airlines zu bezweifeln, daher erneut Touché. Das ging etwa 1 h hin und her. Fazit: Der Captain muss mir seine Flugzeiten verraten. Er hat mir versprochen, wenn ich mal mit ihm fliegen sollte, dann würde er mich First Class upgraden.

Wir sitzen auf der Taitu Terrasse. Ich bin grad von den Bale Mountains zurückgekommen, saß ca 7h im Bus und brauchte nur eine heiße Dusche. Leider war ich zu erschöpft um mich in mein Zimmer aufzuraffen. Ich bin zu erschöpft für eine Unterhaltung. Sarah und Berta waren am Vorabend bei einer White-Party und kichern unentwegt J Sie können gar nicht richtig sprechen. Der Hangover ist im Augenblick zu stark für eine Unterhaltung. Die äthiopische Freundin von ihnen (Namen vergessen) schaut sich mit ihrem Netbook auf Youtube lustige Episoden von Madagaskar an und lacht sich schlapp, über eines der Viecher, dass sich in eine Bärendame verliebt. Die Story klingt süß. Aber auch hier ist an eine Unterhaltung nicht zu denken.

Sami, Ketema und ich sitzen in Bole in einem Café. Ketema möchte unbedingt nach Europa und überlegt, ob er Asyl bekommen könnte. Ich versuche im zu erklären, dass das aus Äthiopien evtl. Schwierig werden könnte. Er ist kein Journalist oder Oppositioneller und wird nicht verfolgt oder so. Aber er lässt nicht locker. Ich meinte, dass in Uganda Schwule flüchten und Asyl beantragen würden. SCHWULE? Ok die Jungs kennen keine schwulen Männer und sind der festen Überzeugung, dass dies eine Erfindung/Mode des Westens sei. Ich sagte ich glaube fest, dass ca. 10% der Jungs in einem beliebigen Land schwul sind (keine Ahnung wo die Zahl herkommt, aber irgendwo hab ich so eine Größenordnung gehört). Ketema wirft ein, dass das nicht sein kann, da man hier in Addis nie Schwule sieht. Ich meinte, nur weil man sie nicht sieht / nicht sehen will, heißt das ja noch lange nicht, dass sie nicht da wären. Wir entscheiden dann das Thema zu wechseln.

Sami erzählt mir von seiner Freundin. Sie ist Tigrinia und kommt aus Eritrea. Ein Teil ihrer Familie ist in Schweden und Deutschland. Um ebenfalls nach Deutschland ausreisen zu können, benötigt sie ein Deutschzertifikat. Sie meldet sich im Goethe Institut an und versucht den Test. Sie fällt durch und ist so frustriert, dass sie den Test nicht nochmal machen möchte. Sie wird bedrängt das Zertifikat unbedingt zu machen, damit sie nach Deutschland zu ihrer Familie kann. Aber sie möchte nicht mehr, sie möchte nach Schweden, dort benötigt man scheinbar kein Sprachnachweis. Sami hört das nächste Mal von ihr, als sie sich aus dem Sudan meldet. Sie wurde von Freunden überredet in den Sudan zu reisen, von dort nach Lybien und dann mit dem Boot nach Europa. Ich rede auf Sami ein, dass er sie davon abbringen muss. Er glaubt nicht an seinen Erfolg.

Teddy ruft mich an und fragt, ob ich mit ihm und 2 Freundinnen aus Deutschland rumhängen mag. Klar mag ich. Die Mädls sind wahnsinnig interessant. Lisa ist erst 23 und hat schon 1 Jahr in Hawassa als Volunteer gearbeitet und ein halbes Jahr in Kampala studiert. Ihre Freundin ebenso jung, war in Nairobi beim studieren. Ich fragte, ob das nicht krass gefährlich gewesen sei. Sie meinte, dass sie mit ihren Freunden sich in den Bus gesetzt hätten, um für ein paar Tage die Stadt zu verlassen, als die Terrorwarnungen immer lauter wurden und sich in Sicherheit wähnten. Gottseidank war es nicht ihr Bus, der überfallen wurde.

Ich begleite Frederik und seine Habesha-Freundin zum Dinner. Sie ist wirklich ein bezauberndes Mädl. Wirklich eine der schönsten Frauen, die ich jemals gesehen habe. Sie ist 23, er ist 47. Sie haben sich auf der Terasse kennengelernt, er hat sie 2mal gesehen und sie dann angesprochen. Jetzt sind sie ein Paar. Sie kocht manchmal für ihn. Die meisten Local Girls, die ich hier kenne, wollen einen alten europäischen Mann. Die haben meistens Kohle und behandeln die Mädls besser. Meta, eine Freundin von Sarah und Berta, erzählte, dass sie in einer abusive relationship war und seit diesem Zeitpunkt keine Äthiopier mehr datet.

Seraus, zwei seiner Freunde und ich brausen durch die Nacht. Seraus hat sich einige Gin Tonics genehmigt. Er ist “Co-Pilot.” Die äthiopische Musik läuft laut, alle dancen und lachen. Seraus kurbelt das Fenster runter und hängt sich in voller Fahrt mit seinem Oberkörper aus dem Fenster und schreit seine Freude raus. Sein Kumpel zieht ihn immer wieder nach drinnen. Aber er lässt sich nicht abhalten und will die frische Luft, den Fahrtwind spüren und den Augenblick. Seine Energie steckt an. Ich sorge mich nicht mehr um ihn, sondern freue mich mit ihm.

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