Gambella

Letztes Wochenende war ich in Gambella. Great Ethiopian Run hat dort einen MDG Race veranstaltet. Ziel dieses Rennens war es das dritte MDG Ziel Women Empowerment zu promoten und ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.

MDG steht für Millenium Development Goals und wurde von der UN 2000 als Absichtserklärung verabschiedet bis zum Jahr 2015 extremen Hunger und 7 weitere Ziele zu erreichen. Zu diesen Zielen zählen unter anderem die Grundschulbildung und Geschlechtergleichheit zu fördern, die Kindessterblichkeit zu senken und die Gesundheit von Müttern zu verbessern.

Ich habe mich besonders gefreut nach Gambella zu reisen, zum Einen um das Team besser kennenzulernen und natürlich weil Gambella (das liegt ganz in Westen des Landes, nahe an der Grenze des Südsudan) nicht wirklich auf meiner geplanten Reiseroute (die liegt im Norden) lag. In Gambella sind zur Zeit zwei riesige Flüchtlingscamps mit Flüchtlingen aus dem Südsudan. Auf der Seite der UN las ich unfassbare Zahlen von bis zu 90.000 südsudanesischen Flüchtlingen. Ich fragte mich im Vorfeld, ob ich davon etwas zu sehen bekommen sollte.

Der Flug nach Gambella dauerte ca. 1 Stunde. Dort angekommen war ich etwas enttäuscht, weil es gar nicht so warm war, wie von meinen Kollegen angedroht, sondern es war echt mild (frischer sogar als in Addis). Der Flughafen ist übrigens klasse. Man steigt aus dem Flieger aus, geht durch eine kleine Halle und voilà fertig. Kein Warten, kein Anstehen. J Auf uns wartete schon ein Bus und wir wurden lautstark von dem Rest des Teams empfangen, die schon Tage zuvor nach Gambella reisten. Mit dabei waren Medienleute, ein paar VIPs für die spätere Siegeszeremonie und wir vom GER. Die Stimmung war wunderbar gelöst und locker. Dort angekommen gab es erstmal ein großes Lunch, dann wurden wir in die Zimmer des großzügigen Baro Gambella Hotels aufgeteilt. Ich teilte mein Zimmer mit Mulu.

Funfact: Mulu erzählte mir, dass es für eine Frau absolut nicht akzeptabel wäre zu rauchen und dass ich es sofort lassen müsste. Sie meinte, dass ich wahrscheinlich daher so alt aussehen würde. Ich musste total lachen, da sie es mit einer solchen Ernstigkeit sagte.

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Gegen vier sind wir dann zum Hauptplatz, wenn man das so sagen kann, denn hier fand die “Infoveranstaltung” statt. Es war mehr so etwas wie ein Volksfest. Eine kleine Bühne wurde aufgebaut, lokale Sänger performten, lokale Tänzerinnen ließen die Hüften schwingen (während in Addis eher die Schultern rhytmisch bewegt werden, ist es in Gambella die Hüfte, die permanent kreist, während die Tänzerinnen kleine Schritte nach vorne machen – unfassbar, keine Ahnung, wie das funktioniert). Es wurden Promis und lokale Verwaltungschefs auf die Bühne gebeten und immer wieder nach dem Hauptthema: Women Empowerment befragt. Damit auch der letzte versteht, warum das Rennen von GER und der UN veranstaltet wird. Dazwischen gab es Gewinnspiele und lustige Tanzeinlagen. Während meine Kollegen professionell als Team fleissig Aufgaben erledigten stand ich etwas planlos herum, da ich so absolut gar keinen Auftrag hatte. Daher habe ich die Zeit genutzt und die Show genossen und Fotos gemacht.

Am nächsten Tag war dann Raceday. Wir sind vor Sonnenaufgang (!) aufgestanden, haben auf ein Bajach gewartet und sind zum Zielpunkt gefahren.

Ich hatte so heftigen Hunger und freute mich auf den Tagesordnungspunkt Frühstück, der für 7 Uhr oder so angesetzt war. Um sieben wartete ich dann geduldig, wenn endlich die Croissants oder Ähnliches verteilt würden. Nix passierte. Meine Kollegin hollte schließlich zwei große Bananenstauden aus einer Kiste und alle bedienten sich. Ich verstand das erst nicht. Nach einer Weile meldete sich mein müder und hungriger Kopf: Breakfast it is! Braun-Fleckige Bananen sind nicht gerade meine Idee eines leckeren Frühstücks, aber hey was solls. Der Gedanke bis Nachmittags ohne Essen hier rumzuhängen war schlimmer als die eklig braune Banane.

Das Rennen selbst lief komplett smooth ab. Ich war so beeindruckt, wie ernst alle Beteiligten das Rennen nahmen, sogar die kleinsten Kids. Es gab nicht einmal eine Zeiterfassung. Dennoch legten alle einen super Endspurt hin, als ob es darum ginge die Bestzeit um ein paar Hundertstel zu drücken. Wirklich ein schönes Erlebnis. Kurzfristig hatte ich dann auch einen Job. Da der Fotograf vom Start zum Ziel zu lange brauchte, musste ich den Fotograf ersetzen und den Zieleinlauf der Kiddies fotografieren.

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Später haben ein Kollege und ich uns unter die Teilnehmer gemischt und sie interviewt. Mein Kollege Grum war super, die unterschiedlichen Ethnien rauszufischen und half somit ein diverses Bild der Teilnehmerschaft darzustellen.

Wir hatten das Glück auf eine Gruppe südsudanesischer Flüchtlinge zu treffen. Wir fragten, ob wir sie interviewen dürften. Irgendwie schien das ein Problem zu sein und uns wurde gesagt, dass wir erst auf deren “Sprecher” warten müssten, der gerade mit einer UN-Interviewerin sprach. Sehr seltsam. Wir haben dann einfach trotzdem Fotos gemacht und gesprochen. Ich hatte so viele Fragen, aber die waren alle so unangemessen und plump (“Wie gefällt es Euch in Gambella blabla”). Mir fehlten wirklich die Worte. Wie dem auch sei, sie schienen glücklich teilgenommen zu haben und sagten, dass es cool wäre, wenn mehr von ihnen hätten laufen dürfen (die Teilnehmerzahl war auf 2000 begrenzt).

Eigentlich war das Ziel, diese Interviews mit meinen Bildern auf die FB Seite zu packen. Das hat bis heute leider noch nicht geklappt, aber die UN wird die Interviews nutzen, um sie als Stills in einem Film einzublenden.

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