Hanging with the rich kids

Mekonnen und ich hängen in einer Bar ab und trinken Bier. Er erzählt mal wieder von seiner Exfreundin. Die ist nach Amerika ausgewandert, weil sie eine Greencard bekommen hat. Hat dann ihren Onkel geheiratet und ist sogar schwanger von ihm geworden (puh heavy stuff). Sie hat Mekonnen immer hingehalten und gesagt, dass sie im nächsten Jahr wieder zusammen sein könnten. Das ging (wenn ich es richtig verstanden habe) über 5 (!!!) Jahre so. Auf jeden Fall weiß Mekonnen jetzt, dass sie nicht die Wahrheit gesagt hat und leidet seit dem.

Funfact. Mekonnen sieht meiner Meinung aus wie Snoop Dogg. Also man muss sich das so vorstellen, dass dieser arme Liebeskranke seine Geschichte erzählt und ich gegen das Kichern ankämpfen muss, weil der Typ Snoop wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Unfassbar.

Er meinte außerdem, dass er sich durch das Drübereden leichter fühlt. Also höre ich natürlich gerne zu. Ras Boy hat mir vorher eine sms geschrieben, ob ich in einen Club in Bole kommen könnte. Natürlich habe ich keine Lust alleine in einem unbekannten Club mit einem Typ rumzuhängen, den ich nicht kenne, also versuche ich ganz uneigennützig Mekonnen zu überzeugen, dass wir nach Bole fahren sollten. Schlaue Idee, weil er bei seinem Bruder wohnt und nachts keine Minibusse (die sagen hier Taxis für Minibusse) mehr fahren und er für ein Taxi („contract taxi“) keine Kohle hat, schlägt er vor, bei mir im Bett zu schlafen. WTF ich lache diesen Vorschlag weg und sage dass ich nachts meine Ruhe brauche und alleine schlafen müsse. OK also Bole schien gestrichen. Wir verabschieden uns und ich mache mich auf einen ruhigen (langweiligen) Abend alleine im Hotel gefasst.

Vor der Tür treffe ich wieder auf Orio einen Typ aus dem Sudan mit seinem Freunden. Nicht die beste Gesellschaft, das war mir sofort klar. Ich weiß mal wieder nicht, was mich geritten hat, aber natürlich bleibe ich stehen und plausche mit ihnen. Zwischendurch ruft noch Seraus an und wir verabreden uns in 30 Minuten im Wutma. Zuvor habe ich Orio noch gesagt, dass mein Handy hier nicht funktioniert und ich ihm daher meine Nummer nicht geben könne. Entweder merkt er es nicht, oder lässt es gut sein. Die Jungs sagen, dass Piazza ihre Hood sei (sie sagen tatsächlich Hood, ich fass es nicht und ich jetzt mit ihnen irgendwohin (sie blieben bei dem Ort sehr vage) Tej trinken gehen soll. Das ist süßer, äthiopischer Honigwein. Ich rede mich damit raus, dass ich noch den Seraus abholen muss, dass wir danach auf jeden Fall gehen können. Gesagt getan, die Jungs kommen grummelnd mit. Von weitem sehe ich Seraus vor dem Wutma mit seinen Freunden abhängen. Sie stehen vor einem kleinen VW (das ist hier eine Luxuskarre), auf dem Dach steht Whiskey mit Shotgläsern und laute Musik kommt aus den Boxen.

Orio bleibt zurück, ein anderer Freund (ein Äthiopier aus Israel, will aber nie wieder dorthin zurück) zögert und so gehen wir nur zu Zweit zu ihnen. Sofort habe ich ein frisches Bier in der Hand, meine Begleitung (Name natürlich vergessen) bekommt auch eins. Dann kommt der Israeli und sagt mir ich solle unbedingt rübergehen und mit Orio sprechen. Ich versuche nicht darauf einzugehen, sage er soll sich mal nicht so haben, wir sind doch alle Freunde und er soll seinen Arsch hierhin bewegen. Natürlich kam er nicht und auch seine Freunde ziehen ab. Später habe ich mitbekommen, dass der Guard ihnen sagte, dass sie sich verpissen sollen und er sie hier nicht mehr sehen will.

friends in addis

OK zurück zu den Rich Kids. Diese Truppe sieht aus wie aus einer amerikanischen Sitcom. Seraus (studiert IT in der Ukraine) ist der Smarte Businessman, dann gibt es noch Arif (komplette Familie in Kanada, haben in Addis eine Baufirma) den kleinen Hübschen Womanizer und Babi (Flugzeugingeneur) den sehr lustigen Dicken. Sie kennen sich alle von der Autorennbahn. Sie sind nämlich vom „Car-Cancer“ befallen. Sie stecken ihr gesamtes Geld (das kann nicht wenig sein) in Autos und Tuning und bestellen die Teile aus der ganzen Welt.

Ich höre und vergesse sofort wieder Dinge über Wasser-Fuel Gemische, irgendwelche Turbomotoren oder Mercedes CL irgendwas Autos. Keine Ahnung, aber ich staune brav und bewundere die dutzenden Fotos J und habe wirklich ne Menge Spass. Daher lasse ich mich auch überreden doch noch mit in einen Club in Bole zu fahren. Arif hat mir versprochen, dass ich nur sagen müsse, wann ich nach Hause fahren will, dann würde er mich heimfahren. Das mache er mit seinen Schwestern auch immer so. Klingt alles super, bis auf die Tatsache, dass wir alle ziemlich dicht waren.

Seraus versucht Arif zu überzeugen, dass er ihn fahren lassen sollte. Arif will nicht, verspricht aber nicht schneller als 40 kmh zu fahren. Ich steige zweifelnd ins Auto ein und hoffe es nicht zu bereuen. Ich muss noch hinzufügen, dass mir vorher erklärt wurde, dass dieser kleine süße VW einen Motor hat, der nicht für diesen VW gedacht ist und alle schweren Teile durch leichtere Teile ersetzt wurden.

Wir sitzen im Auto und Arif rast wie ein verrückter los. Babi (war auf einer griechischen Schule, ist Flugzeugingeneur und hat einen Bruder in Italien) schreit „Vai Vai“ und spornt den Fahrer an schneller zu fahren. Arif dreht sich immer wieder um und freut sich wie ein kleines Kind. Die Musik ist laut und er danct am Steuer. Wir sind mittlerweile bei 120 kmh. Die anderen Autos können nicht so schnell fahren (die Straßen lassen das eigentlich auch nicht zu), also schlängelt er sich um die Autos. Ich bin sehr besorgt und Babi sagt, dass VWs von einer viel besseren Qualität wären und nix passieren könne. Wenn jetzt ein Blinder Bettler über die Straße humpelt, dann ist der tot, denke ich mir nur. Nebenbei diskutiert Seraus mit dem Fahrer über seinen Fahrstil. „Do you want to comment on my driving style?“

Wie dem auch sei wir kommen heil im Canada Club an. Arif und Babi steigen wieder ins Auto ein. Ich frage ihn was der Scheiß soll, wo er hinfährt (er wollte mich doch mitnehmen, sobald ich müde werde…). Arif sagt nur, dass Seraus mit mir alleine sein will. Na wunderbar. Wo bin ich hier nur reingeraten. Seraus ist jedoch ein absoluter Gentlemen, hat nicht ein einziges Mal einen Moove gemacht und auch die Finger von allen anderen Ladies gelassen (er ist nämlich verlobt mit einem Mädchen in der Ukraine und hat einen 8 jährigen Sohn mit ihr). Wir hatten wirklich mächtig viel Spaß. Er hat mich dann zum Hotel begleitet, weil ich gehört habe, dass Contract Taxies in der Nacht auch eher ungut wären. Ich fühle mich gesegnet ihn kennengelernt zu haben. Er ist auch der einzige der mich nicht ständig am Telefon nervt oder sonst irgendwie needy ist.

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