Mein erster Arbeitstag in Addis

Heute war mein erster Arbeitstag. Ich bin extra früh ins Bett gegangen, damit ich mich um 07.30 Uhr nicht aus dem Bett quälen muss. Schwer fiel es mir dennoch, denn ich wurde immer wieder von der Alarmanlage eines der Autos, die vor der Tür geparkt sind, geweckt. Wie dem auch sei kurz nach acht bin ich zu den Minibussen gegangen. Ich dachte ich habe den Weg drauf (hat ja schon einmal gut geklappt). Leider waren so viele Leute und so viele verschiedene Busse am Start, dass ich wirklich lange suchen musste. Ich dachte ich würde erst sehr viel später im Büro erscheinen, da ich nicht nur sehr spät den Bus gefunden habe, sondern die Straßen heillos überfüllt waren. Daher habe ich meinem Chef eine Sms geschickt, dass ich mich um ca. 30 Minuten verspäten würde. Letztendlich ging es dann doch sehr viel schneller als gedacht und ich war max. 5 Minuten zu spät. Na toll. Die Sms hätte ich mir sparen können. Da alle so entspannt waren, habe ich mir im Café unten (das Büro ist im 6. Stock eines Bürogebäudes) erstmal ein Croissant (endlich mal wieder ein Schokocroissant) und ein Wasser gekauft.

Kaum war ich wieder im Büro, habe ich mich vergnügt ins Internet eingeloggt. Das Wifi funktionierte genau 20 Minuten lang, dann saß ich gute 2 Stunden „auf dem Trockenen.“ Oh menno so habe ich mir das Arbeiten in Addis nicht vorgestellt.

Meine Kollegen, die vergnügt im Netz surften, rieten mir einfach mich übers Kabel mit dem Internet zu verbinden. Leider verfügt mein Mac über keinen solchen Anschluss und den Adapter habe ich zu Hause vergessen (ich glaube sowas besitze ich gar nicht). Anstrengend. 2 Stunden habe ich also immer wieder versucht online zu gehen. In der Zwischenzeit habe ich mir alte Fotos angeschaut. Ja so kann man die Zeit auch herumkriegen, aber dafür bin ich ja nicht hierher gekommen. Verdammt nochmal. Relax sage ich mir, stress nicht rum. Du wirst hier nicht bezahlt, also erwarten die auch kein krasses Output. Außerdem ist heute dein erster Tag. Da klappt halt mal nicht Alles. J

Ich habe also immer mal wieder vorsichtig nachgefragt, ob es nicht irgendwo einen Computer oder Laptop für mich gibt, den ich mit dem Kabel ans Internet connecten könne. Einem meiner Kollegen ist dann nach wie gesagt guten 2 Stunden eingefallen mal den Router zu checken. Et voilà alles funktionierte. Im richtigen Leben hätte ich gefragt, ob er mich eigentlich komplett verarschen wolle und ich noch nie so eine unprofessionelle Scheiße erlebt hätte (oh doch habe ich und was für eine). Aber stattdessen bedanke ich mich brav und fange an.

Es ist ziemlich interessant und ich bin wirklich motiviert voran zu kommen. Aber der Ehrlichkeit zuliebe muss ich zugeben, dass ich nicht besonders schnell voran komme und ich noch nicht so genau weiß, wie ich die Orga unterstützen kann. Ziel ist es eine Online Marketing Strategie zu entwickeln, um die Zugriffszahlen zu erhöhen. Ich habe heute verglichen, was Mit- und Wettbewerber so machen. Wie die Seiten aufgebaut sind, wie sie kommunizieren. Am liebsten würde ich Ihnen einen Pressebereich einrichten, in dem sich interessierte Medien jederzeit Press Releases und High Resolution Bilder holen können. Das hat aber mit OM nur so bedingt was zu tun.

Bezahlte Suchwerbung können sie sich nicht leisten (macht auch nicht sooooo viel Sinn), SEO ist nicht mein Steckenpferd und für die bessere Gestaltung der Seite fehlt ein Webmaster mit Skills. Aber Schritt für Schritt wird das schon.

Gegen 14 Uhr bin ich dann gegangen und habe ich ins Café gesetzt. Dort haben sich dann DJ Ras Boy und sein Kumpel DJ Habichvergessen (2 Rastas) zu mir gesellt. Mit Ras Boy habe ich bei meinem ersten Trip zum Alem Building geratscht und er hat mich auf einen Kaffee eingeladen. Obwohl noch nicht besonders viel gemacht habe, war ich schon wieder müde und war indifferent, ob ich lieber nach Hause pennen gehe oder mit Ras Boy abhänge. Ich habe mich für Letzeres entschieden. Ras Boy schlägt abseits der Straße (ich befinde mich auf der Bole Road, einer Business Straße, mit vielen westlichen Clubs, Hotels und Restaurants) ein Restaurant vor. Ich bin immer etwas misstrauisch, wenn es zu weit abseits der Straße geht, da ich Angst habe nie wieder zurückzufinden (das liegt an meiner kümmerlich ausgebildeten Orientierung) und ich keine Lust habe in ein Haus gezerrt und ausgeraubt zu werden (ich übertreibe, aber wissen kann man es nie). Naja aber Ras Boys Vorschlag ist ok und es sind viele Menschen um uns rum. Er hat übrigens 2 Mobiltelefone und ein Auto, das spricht dafür, dass er nicht an meinen paar Birr und meinem Computer interessiert ist. Hier esse ich zum ersten Mal äthiopische Pasta – natürlich mit den Händen bzw. mit Injera. Das klappt nur bedingt und ich freue mich, dass ich zum Amusement beitragen kann. Der Freund von Ras Boy ist cool. Er studiert soziale Arbeit und träumt davon Musiker zu werden (ist er ja schon, aber ein bekannter Musiker das möchte er werden). Er weiß viel über die Geschichte und die Konflikte zwischen Äthiopien mit Somalia und Eritrea. Dann hat Ras Boy einen Termin und fährt irgendwohin (da ich noch immer nicht weiß wo genau das Zentrum ist und ich den Ort, den er mir sagt mir nicht merken kann). Leider kann er mich nicht zurück nach Piazza bringen :/ Nervt. Sein Kumpel zeigt mir noch den richtigen Minibus und dann stehe ich in einer riesigen Schlange in der Sonne und bin nicht mal genervt. Eventuell wird das doch noch was mit der Geduld.

Ständig kommen alte Männer auf Stöcken, Blinde (ich will in Addis echt nicht blind sein) oder Sonstige Bettler vorbei. Ein alter Mann mit Stock, der glaube ich auch blind ist, steht ewig lang bei jedem und sagt irgendwas. Lustigerweise hat ihm das Mädchen bei dem er gerade steht , bereits vorher einen Schein in die Hand gedrückt. Evtl. hat sie ihm das auch versucht zu erklären. Naja aber er steht weiter an Ort und Stelle und fragt sie um Geld. Zurück im Hotel rufe ich Mekonnen zurück. Er klingt betrunken und stottert irgendwas davon, dass er schon daheim ist (bei seinem Bruder) und dass er mich vermisst. OMG. Ich habe wirklich ein Talent für Patienten. Ich überlege, wieder ob ich einfach pennen gehen sollte. Ich entscheide mich anders und setze mich auf die Taitu Terasse und studiere Amharisch. Die Sprache nervt mich so langsam. Ständig verändert sich der Wortstamm. Suffixe und Präfixe und Änderungen je nach Geschlecht und und und. Geht’s bitte noch komplizierter.

Um 20.00 habe ich dann die Amharischstunde mit Mesfin. OMG ich frage nach dem Wort gemein (also mean). Mesfin sagt die Worte greedy und mean in Englisch seien gleichbedeutend. Ich weiss er ist der Englischlehrer. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie eine unterschiedliche Bedeutung haben. Naja jedenfalls gibt es auf Amharisch nur ein Wort dafür. Ok so soll es sein.

Interessant: In Äthiopien gibt es 4 Hautfarben, nämlich schwarz, weiß, hellbraun (eher in Richtung weiß) und dunkelbraun (eher Richtung schwarz). Wenn Äthiopier Menschen weißer Hautfarbe sagen, dann benutzen sie das Wort „key“ (das bedeutet „rot“). Wenn sie auf die europäische (bzw. auf die nicht afrikanische Herkunft) hinweisen wollen dann sagen sie „er ist weiß“ und benutzen das Wort „weiß“. Das soll jemand kapieren. Die weiße Haut ist also rot und die europäische Herkunft weiß.

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