Mein Wochenende in Debre Zeyit

Am Wochenende war ich in Debre Zeyit. Das ist ca. 40km von Addis entfernt und man kommt wirklich sehr leicht dorthin.Von Piazza nimmt man einen Minibus nach Sari, von dort aus steigt man in einen Minibus nach Kekale. Hier ist der Hauptbusbahnhof in Addis und viele Busse nach Awassa und Nazreth usw fahren hier los. Wie immer an Bahnhöfen ist es sehr wuselig und ähnelt fast einem Markt. Was auch immer man an Verpflegung möchte, kann man hier finden, Fanta, Sprite, Wasser, Zigaretten, Handykarten, Kosmetikartikel was auch immer. Der Weg geht eigentlich ganz smooth und die Straße ist ok, bis auf das erste Stück. Die ersten paar Kilometer sind für Mensch und Maschine wirklich herausfordernd. Die Straße ist nicht betoniert und riesige spitze Steine säumen den Weg. Um diesen Steinen und Löchern auszuweichen fahren die Autos kreuz und quer und auch auf der Gegenspur. Unterwegs wurden wir dann von der Straßenpolizei aufgehalten. Der Fahrer stieg aus und zeigte der Polizistin einen Zettel. Da leider ein Stempel fehlte, kam es zu einer regen Diskussion, die nach Zahlung von ein paar Birr beendet wurde. In Indonesien hatten Tom und ich mal die gleiche Situation, da dauerte die Chause Stunden. In Äthiopien nur eine Viertelstunden. I like.

Als wir in Debre Zeyit angekommen sind, haben wir erstmal gefrühstückt und uns dann auf die Suche nach einem Hotel gemacht.Das war mir sehr wichtig, weil Mekonnen und ich mindestens drei Tage darüber gesprochen haben, dass ich auf gar keinen Fall ein Hotelzimmer teilen werde. Auch wenn es natürlich billiger und sinnvoller ist ein Zimmer zu teilen, bevorzuge ich meinen eigenen Raum und damit basta. Drei Tage lang habe ich das Mekonnen zu verstehen gegeben und jedesmal hat er wieder damit angefangen: I don’t disturb you, you can be free with me, I sacrifice for you blablabla. Da ich noch immer nicht genau weiß, was er mir damit eigentlich sagen wollte, habe ich immer wieder von vorne wiederholt: “two rooms or I am taking the last bus back to Addis the same night”. Darum wollte ich gleich zu Beginn das mit dem Hotel klären. Wir haben uns also flugs in ein sog. Bajat gesetzt, das ist eigentlich ein Mofa, auf das ein Aufsatz gebaut wurde, damit max. 4 Personen Platz finden (2 vorne, 2 hinten). Ist recht komfortabel, aber teurer als ein Minibus (ca. 35 Birr haben wir gezahlt, Mekonnen hat ihn von 120 Birr runtergehandelt). Dafür hat der Fahrer uns von Hotel zu Hotel kutschiert. Leider war an dem Wochenende irgendein Politikertreffen, daher alles restlos ausgebucht. WTF.

Chat

Lake at Debre Zeyit

At Lake Babugaya

Statt weiterzusuchen sind wir zum Lake Babugaya (od so ähnlich) gefahren und haben uns hingechillt. Ich habe mich so gefreut auf die Sonne. Leider ist sonnen scheinbar was sehr europäisches und in Babugaya gab es in Seenähe nur überdachte Plätze. Naja ok dann friere ich halt im Schatten was solls. Mekonnen hat sich davor noch ein großes Bündel Chat gekauf und mampfte fröhlich drauflos. Ich habe in meinem Buch „der Mann, der den Tod auslachte“ gelesen, dass Chat die Leute redselig macht. Das sollte auch bei Mekonnen nicht anders sein. Er plapperte drauflos und erzählte mir in Endlosschleife wieder die Geschichte mit seiner Exfreundin, die in den USA mit ihrem Onkel ein Kind zeugte und so weiter und so fort. Da ich einfach nur auf das Wasser kucken wollte, hatte mich das Geschwafel und diese alte Geschichte ziemlich genervt. Naja wie dem auch sei. Nach ein paar Stunden habe ich Mekonnen überzeugt, dass wir jetzt wirklich die Sache mit dem Hotel angehen sollten und daher brachen wir auf.

Davor machten wir einen Zwischenstop bei dem Haus der Eltern eines Studienkollegen. Das Haus und der Garten waren megaschön und wir wurden extrem freundlich empfangen. Wir bekamen Injera mit Sauce vorgesetzt. Immer wenn ich, ob des vollen Magens, mit dem Essen aufhörte, sagte die alte Hausherrin „bi“ (Ess!) zu mir. Also habe ich brav weiter gefuttert. Dann gab es noch süßen Wein (der war leider echt eklig) und wir sollten noch zur Kaffeezeremonie bleiben. Weil die aber Stunden dauern würde, haben wir das dankend abgelehnt. Alle haben dann noch für ein Foto posiert. Die Hausherrin hatte sich für das Foto zuvor sogar extra in ein feines traditionelles Gewand geschmissen. Ich habe ihr versprochen es ihr zu schicken.

DSC_1690

Traditional Ethiopian Gown

Family picture in Debre Zeyit

Ich war übrigens mit Mesfin, meinem Amharisch Lehrer, schon einmal in einem äthiopischen Haus.  Auch hier standen gemütliche Sessel um einen Couchtisch und in der Ecke stand ein laufender Fernseher. An der Wand hängen die Fotos ihrer Kinder (Yearbook Pix). Und überall sind Ikonen zu sehen. Es scheint mir so, als ob das ein typisch amharischer Einrichtungsstil ist.

Als wir dann endlich ein Hotel gefunden haben (Funfact, das Hotel, in dem wir zu Beginn der Reise gefrühstückt haben) zeigte uns die Rezeptionistin 2 Zimmer und gab uns dann tatsächlich nur einen Schlüssel. Ich fragte Mekonnen, ob das sein verdammter Ernst sei und dass er der Rezeptionistin jetzt sofort auf amharisch erklären soll, dass wir zwei Schlüssel bräuchten. Er fing dann allen Ernstes an mit mir zu diskutieren und ich war wirklich knapp vor einem Wutanfall. Ich sagte also zu Mekonnen, dass ich jetzt keine Lust auf Zwist hätte, ich jetzt gleich sehr sehr angry werde und er endlich seine Klappe halten soll. Der Rezeptionistin, die leider so gar kein Englisch verstand, habe ich mit Händen und Füßen erklärt, dass wir 2 Schlüssel bräuchten, habe dann beide Zimmer bezahlt (der Plan war ja eigentlich, dass ich am gleichen Abend heimfahren würden, wenn Mekonnen sein Zimmer nicht bezahlen kann oder möchte…), also auf die 8 EUR mehr für das Zimmer geschissen und das Thema beendet. Mannmannman, das war so klar, dass es so kommen würde, gut dass wir 3 Tage an einander vorbei geredet hatten.

Wir saßen dann noch zusammen und tranken ein paar Bier, dann bin ich gegen 21 Uhr auf mein Zimmer gegangen mit dem Worten, „I am very exhausted, I need to sleep“. Da Mekonnen noch feiern wollte, hatte ich endlich meine Ruhe. In der Nacht hat er dann doch tatsächlich noch bei mir geklopft und mich angerufen. Weil ich ihn vor der Tür gehört habe, habe ich schnell das Handy auf lautlos gestellt und mich schlafend gestellt. Funfact: An dem Abend gab es einen Stromausfall, dh. Kein TV, kein Licht kein gar nix. Ich hatte weder meinen Kindle, noch mein Amharisch-Lernzeug noch sonst was dabei. Ich dachte ich würde mich zu Tode langweilen, aber bin doch erstaunlich schnell weggepennt. Also alles gut. Auf der Rückfahrt habe ich mich dann noch gefragt, ob es vielleicht einfach äthiopisch ist, so viel zu schwatzen und ich als distanzierter Europäer mich einfach mal locker machen müsste. Aber im Bus ist mir aufgefallen, dass die anderen Mitreisenden auch nicht so viel sprechen und angenehm sind und er wirklich eine Ausnahme darstellt

Big Bird Ethiopia

Adler in Debre Zeyit

Church in Debre Zeyit

Celebration St. Gabriel Debre Zeyit

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