Menagesha

Gestern war ich mit Mesfin, meinem Lehrer in Menagesha. Mal wieder gab es mein Missverständnis. Denn ich wollte in den Menagesha Nationalpark. Ein großes Waldgebiet mit einer schönen Kirche. Was ich nicht wusste ist, dass Menagesha auch der Name einer Stadt ist. Tja wir fahren also zuerst nach Holeta (ich hab doch Menagesha gesagt wtf). Naja aber ich dachte noch, dass es evtl. Sinn machen könnte. Dort sind wir herumspaziert. Wirklich ein bezauberndes kleines Dorf. Saubere Luft, kein Lärm, einfachste Lebensbedingungen. Ich konnte hier wirklich mal richtig aufatmen.

Dann sind wir weiter nach Menagesha und dort dann wieder herumgestiefelt. Irgendwann sage ich den entscheidenden Satz. Wo ist der Nationalpark. Sonst habe ich immer nur vom “Forest” gesprochen. Mesfin meinte: “Höh wovon redest Du.” Es stellt sich heraus, dass er diesen Nationalpark gar nicht kennt. Erst ein Dorfbewohner klärte uns dann auf, dass wir wieder zurück in Richtung Holeta müssen und auf halber Strecke dann irgendwie querfeldein auf den Wald stoßen würden. Da war es ca. 16 Uhr. Ich war immer noch wild entschlossen den verfluchten Wald zu finden. Daher stellten wir uns an die Straße und warteten auf einen Minibus. Wie das oft so ist, kamen eine Reihe Busse, die waren aber alle randvoll. Irgendwann hatte Mesfin dann keine Lust mehr und wir sind auf die andere Straßenseite um auf einen Minibus Richtung Addis zu warten. Ich war etwas enttäuscht, dass wir es so verpeilt haben, aber auf der anderen Seite sind wir lange durch das Dorf spaziert und ich konnte echt mal durchatmen in Holeta und Menegesha. Also alles gut. Am Abend hatte ich dann glaube ich einen Sonnenstich oder so. Ich musste mich sofort hinlegen, mir war schlecht und ich bereute das Stück Sahnekuchen dass ich unvorsichtigerweise gemampft hatte sehr.

 

Vogel in Holeta Kirche in Holeta Gewobene hängende Nester Mein Amharisch Lehrer Mesfin Blauschimmernder Vogel Menagesha

Heute früh ging es mir aber wieder ausgezeichnet. Der Arbeitstag war gut, die Amharischstunde ging auch vorran (wir sind jetzt schon seit 3 Lehrstunden bei der Begrüßung… ich werde ungeduldig). Aber ich lerne von Mesfin unheimlich viel über die äthiopische Kultur. In amharisch gibt es zum Beispiel kein Wort für organisiert hihihi.

Später habe ich mich dann mit Ketema getroffen. Ich muss zugeben, dass mich Ketema etwas nervt, weil er so ein Riesenbaby ist. Er plant 1000 Dinge, setzt aber nix in die Tat um. Wenn er von etwas begeistert ist, dann fragt er 1000 Leute nach deren Meinung und ruft alle an, um ihnen davon zu erzählen. Ich komme ganz durcheinander, ob jetzt gerade die Tourismusschule, oder doch Deutschlernen in Deutschland, oder Tourguide werden in Addis oder doch lieber ein Stipendium in Europa für ein beliebiges Fach, gerade aktuell sind. Dieses Mal hatte er einen Coverletter für einen Job in Hamburg dabei (wer den wohl für in verfasst hat…). Wir gehen erstmal einen Kaffeetrinken und Ketema setzt sich sogleich neben 2 Touris. Die zwei Mädls kommen aus Deutschland und Spanien und sind bis März in Addis (yeahhhhh!). Sie sind sehr nett und wohnen in meinem alten Hotel in Piazza (yeahhh!). Mensch Ketema sei Dank endlich habe ich Mädls kennengelernt.

Warum ich mich so freue? Weil mein erster Kumpel Mekonnen heute mit mir Schluss gemacht hat. Ich bin irgendwie nur so halb betroffen davon, denn ich gebe zu, dass wir noch nie ein ernstzunehmendes Gespräch geführt haben. Auf der anderen Seite habe ich auch keine große Wahl. Alleine sein oder mit einem Brabbel-Typ rumhängen. Ich weiss nicht genau wie es gekommen ist, aber er meinte “for the future I won’t disturb you.” Wie immer habe ich nur so halb hingehört, weil seine Monologe regelmäßig Loops machen und ich einfach bei einem der nächsten Male genauer hinzuhören plante. Ich habe ihm übrigens heute versucht, davon zu überzeugen, dass Emails ne gute Sache seien. Er brabbelte irgendwas von, wenn die Welt morgen unterginge oder so und dass er manche seiner Freunde oft 10 Jahre nicht gesehen hat blabla und das im FB viel Scheiße geschrieben wird blabla. Ich habe ihn immer wieder brüsk unterbrochen und gesagt, dass das nix mit Emails zu tun hat… Naja auf jeden Fall stehen wir vor dem Kaffee er wiederholt nochmal “er wird mich in Zukunft nicht mehr stören”, wünscht mir alles Gute und rauscht ab. Sehr merkwürdig. Aber wirklich besser so.

Nochmal zurück zu Ketema. Wir sind vorhin zurück zum Goethe Institut gefahren, um die Jobanzeige nochmal genau zu studieren. Dann haben wir uns ins Lucy (ein wunderbares Restaurant neben dem Nationalmuseum) gesetzt und ich habe versucht herauszufinden, ob er die Requirements erfüllt um als Sales und Marketing Manager zu arbeiten. Meine Laune schwankte ehrlich gesagt die ganze Zeit zwischen Genervtsein und Mitleid. Er merkt einfach nicht in seinem Überschwang, dass er für die ausgeschriebene Stelle nicht qualifiziert ist. Auf der anderen Seite kenne ich einen Haufen Leute, die das ebenfalls nicht sind, darum habe ich mir vorgenommen, ihm ein Top- Anschreiben zu verfassen, der Rest liegt an ihm. Ich bewundere an ihm, seinen Tatendrang, gleichzeitig nervt mich an ihm, dass er bis jetzt noch nix zu Ende gebracht hat und nicht zielorientiert ist. Ich habe leider auch das Gefühlt, dass er nicht der Schlauste ist. Zum Bsp. Wurde in der Job-Ad Eigenmotivation gefordert. Also habe ich ihn gefragt, wann er seine Eigenmotivation mal bewiesen hat. Hat er nicht verstanden. Dann fragte ich “when did you do sth. that you just did for yourself without anyone asking you to do it” – wieder keine Antwort. Ich bin ein bisschen fassungslos, wie ahnungslos ein Mensch doch sein kann. Aber ist nicht mein Problem.

 

Ich lese übrigens gerade ein Buch von Stefan Zweig und dort schreibt er, dass es zwei Arten von Mitleid gäbe. Das eine Mitleid ist eigentlich nur eine Ungeduld des Herzens sich schnell von der Schwere zu erlösen. Das andere Mitleid, ist das tiefe Mitleid, bei dem man bis zum Ende mitfühlt. Ich bin glaube ich Mitleidstyp 1. Ich versuche bei Mitleid Lösungen zu finden und bin dann sauer, wenn die Lösung nicht angenommen wird bzw. schaue auf die Person herab, dass sie es nicht hinbekommt, wo die Lösung doch so klipp und klar vor einem liegt.

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