Training mit äthiopischen Elite Athleten

Gestern früh habe ich meinen Chef zu einem Interview mit einem Läufercoach begleitet. Wir wollen mehr Content für die GER Webseite produzieren und die Runningkultur in Äthiopien näher beleuchten.

Ich bin um 5 Uhr aufgestanden, habe auf meinen Taxifahrer gewartet und war kurz nach 6 im CMC Compound.
Ich bin immer wieder überwältigt, wie groß Addis ist. Ich halte mich meistens zwischen Bole und Piazza auf. Ab und zu mal Arat Kilo und Kesanchis. Aber Addis wächst stark Richtung Westen. Auf riesigen Flächen reiht sich Appartementanlage an Appartementanlage, Unmengen an Luxusvillen entstehen. Ich frage mich, wo diese Tausenden Menschen zur Zeit leben. Es scheint einen sehr großen Mangel an Wohnungen zu bestehen, wenn man den Bauboom betrachtet.

Mein Chef erklärte mir, dass das die Regierung früher Wohnungseigentum gefördert hat. Man zahlte 20% Eigenkapital ein und 80% übernahm der Staat als eine Art Darlehen. Mittlerweile gibt es dieses Programm nicht mehr. Da es scheinbar von Banken keine Kredite für Hauseigentum gibt, müssen die Leute das Geld selber auftreiben. Sehr schräg.
Wir fahren ca. eine halbe Stunde Richtung Westen – keine Ahnung wie der Ort heißt und ich erwarte ein Trainingszentrum. Aber nix da. Die Straße ist Trainingsschauplatz. In einem Van sitzen ein paar Athleten, immer wieder kommen Läufergruppen vorbeigerannt. Verdammt nochmal- die sind irsinnig schnell.
Wir treffen die Coaches. Einer von Ihnen ist ein bekannter Langstrecken Olympiateilnehmer, der damals gegen Haile Gebrselassie antrat. Ich habe natürlich keine Ahnung. Ermias mein Chef kennt sie alle, Coaches und Läufer. Wir warten bis der Coach seine Truppe gebrieft hat. Danach können wir mit dem Interview starten bzw. die Jungs unterhalten sich auf amharisch und ich stehe brav daneben und verstehe kein Wort :D

Die Gruppe hat einen Pacemaker. Der läuft vorneweg und gibt die Geschwindigkeit vor. Die Männer und Frauen laufen in getrennten Gruppen. Heute stehen 30km auf dem Programm. Die Geschwindigkeit ist meiner Meinung nach sehr zügig, Aber keine Ahnung ob das eher ein softer Longrun ist, oder fast schon Wettkampfgeschwindigkeit. Die Läufer sind austrainiert und professionell, sie lachen, freuen sich. Niemand kotzt über die Kälte. Um mich herum stählerne Oberschenkel, stramme Waden und gazellengleiche Bewegungen. Beeindruckend. Ich frage mich, ob ich jemals so laufen könnte, wenn ich früher und besser trainiert hätte.
Der Coach erklärt (das erzählte mir mein Chef im Nachhinein, weil ich wie gesagt nichts verstanden habe), warum sich die äthiopischen Läufer auf die (Halb-)Marathonstrecken konzentrieren (wg. der Kohle) und warum die Konzentration der Trainingszentren auf Addis ein Problem darstellt.
Probleme: Die Läufer sind weit weg von Ihren Familien, trainieren mit den Besten der Besten und das führt häufig zu Selbstbewusstseinsproblemen. In ihren heimischen Trainingsgruppen waren sie wahrscheinlich die Besten, jetzt sind sie nur einer von vielen. Außerdem ist es für viele Läufer eine finanzielle Belastung nach Addis zu kommen.
Normalerweise gewinnen die Athleten in ihren Städten und Dörfern zuerst kleinere Wettkämpfe. Wenn sie gut sind und motiviert sind, ziehen sie in die Hauptstadt mit dem Ziel, einen Manager, ein Team und einen Coach zu bekommen. Dh. sie sind erstmal auf die Hilfe der Familie angewiesen. Erst wenn sie Leistung erzielen werden Teams und Agenten auf sie aufmerksam und es winkt eine Einstellung und Bezahlung.

Das übersetzte Interview hier.

Morgen Lauftraining in Addis Coach & Trainer Lauftraining Frühmorgens in Addis Vor dem Lauftraining der Mädels in Äthiopien Foto 2 Vor dem Lauftraining der Elite Athleten in Äthiopien Lauftraining der Jungs in Äthiopien Lauftraining der Elite Athleten in Äthiopien Äthiopische Elite Läufer beim Training

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